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Erfolg heißt, Hilfe annehmen und in Arbeit kommen

Wer in seinem Beruf psychisch erkrankt, der braucht Hilfe, um nicht vor dem Aus zu stehen. Das haben viele Leistungsträger erkannt und finanzieren Angebote von Bildungseinrichtungen mit einer klaren Ausrichtung auf die Wiedereingliederung von Betroffenen in den Arbeitsprozess. Das Berufliche Trainingszentrum Chemnitz am BFW (BTZ Chemnitz) gehört mittlerweile seit drei Jahren zu diesen spezialisierten Bildungsträgern.

Michaela Lormis, Sebastian Kreschnak und Carina Bernhardt in einer Fallbesprechung © M. Lindner, BFW Leipzig
Michaela Lormis, Sebastian Kreschnak und Carina Bernhardt in einer Fallbesprechung © M. Lindner, BFW Leipzig

Vor drei Jahren, im März 2017, war es ein kühner Schritt, das BTZ Chemnitz als eigenständigen Bereich der Außenstelle Chemnitz des Berufsförderungswerkes Leipzig zu etablieren. Bis dahin gab es dort schon Maßnahmen wie das Assessment als Berufsfindung/Arbeitserprobung oder die IdA – Integration in den Arbeitsmarkt – für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Doch man merkte, dass diese Angebote nicht ausreichten, um den individuellen Krankheitsbildern voll zu entsprechen.

Das Team des BTZ Chemnitz will mit niederschwelligen und weiterführenden Maßnahmen die Teilnehmenden nach deren medizinischen Therapien wieder direkt in den Arbeitsmarkt integrieren. "Auf der einen Seite haben wir die bestehenden Angebote weiterentwickelt und auf der anderen Seite sind neue hinzugekommen", berichtet Michaela Lormis, die als Psychologin und Teamkoordinatorin am BTZ Chemnitz arbeitet. Dadurch konnte beispielsweise das Berufliche Training als Möglichkeit unterbreitet werden, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihre Rückkehr in die Erwerbstätigkeit vorzubereiten. "Neben der Gewöhnung an Arbeitssituation und -umfeld gehört die persönliche Stabilisierung mit kontinuierlicher Steigerung der Anforderungen dazu", erläutert die Psychologin. "Die Krankheitsbilder sind sehr unterschiedlich und reichen von Angststörungen und Depressionen bis zu Persönlichkeitsstörungen und Suchterkrankungen." Deshalb müsse man ganz individuell auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingehen.

Auf diese Individualität werde nach Aussagen der Personalberaterin und Planerin Carina Bernhardt sehr viel Wert gelegt: "Bereits im Assessment suchen wir gemeinsam nach den Stärken unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Besonderheit dabei ist, dass die künftigen Tätigkeiten und Berufe in Einklang mit den psychischen Beeinträchtigungen gebracht werden müssen." Es ist ein behutsames Herantasten, um die Neigungen und Fähigkeiten in eine Richtung zu lenken, die zu einer Arbeitsaufnahme führen. Bei Bedarf erfolgt schon während des Betriebspraktikums eine arbeitsplatzbezogene Qualifizierung. Seit einem Jahr wird zudem eine elfmonatigen Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme für junge Erwachsene mit psychischen Beeinträchtigungen angeboten.

Das stellt das multiprofessionelle Team im BTZ Chemnitz ständig vor neue Herausforderungen, weiß auch der Personalberater Sebastian Kreschnak zu berichten. "Um unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihre neue Lebensperspektive vorzubereiten, finden wir mit ihnen gemeinsam einen passenden Praxispartner. Die Unternehmen müssen bereit sein, sich auf Menschen mit psychischen Vorerkrankungen einzulassen." Das habe viel mit Vertrauen zu tun. Denn die Firmen können nicht nur aufgrund des Fachkräftemangels die qualifizierten Teilnehmenden des BTZ Chemnitz einstellen. "Es sollen langfristige und stabile Arbeitsverhältnisse dabei entstehen", ergänzt Sebastian Kreschnak. Die gegenwärtige Situation um die Covid-19-Pandemie wird das Team bei der gemeinsamen Suche nach geeigneten Arbeitgebern stark fordern.

Doch, da man seit März 2017 mit dem neuen Konzept eines beruflichen Trainingszentrums in Chemnitz gut gefahren ist, überwiegt die Zuversicht, Menschen mit einem psychischen Krankheitsbild auf einen passenden Arbeitsplatz vermitteln zu können. Allein aus den elfmonatigen Beruflichen Trainings heraus sind über 80 Prozent der Absolventen wieder in Arbeit gekommen. "Für uns ist es immer wieder ein Erfolg, wenn wir sehen, wie unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer die angebotene Hilfe annehmen und dadurch in Arbeit kommen", freut sich der Personalberater Sebastian Kreschnak. Carina Bernhardt bemerkt dazu, "dass es schön ist, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich seit der Begleitung im Assessment tatsächlich zum Positiven entwickelt haben und somit der vorgeschlagene individuelle Reintegrationsweg unsererseits der Richtige für uns war." "Wir bekommen noch Monate nach dem Ende einer Maßnahme ein positives Feedback von unseren Ehemaligen", erzählt Psychologin Michaela Lormis. "In Chemnitz werde ich auf der Straße angesprochen oder in Mails und Briefen bedanken sie sich für die Chance, die man durch unsere Unterstützung erhalten hat."

Dieser Erfolg des BTZ Chemnitz seit 2017 basiert nicht nur auf der Professionalität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern ebenfalls auf dem Willen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, durch eine neue Arbeit ihrem Leben wieder eine Perspektive zu geben.